Strike erhält MiCA-Lizenz: Bitcoin als Sicherheit für Kredite jetzt auch in Europa reguliert

Strike, die Bitcoin-Zahlungsplattform von Jack Mallers, hat eine MiCA-Lizenz erhalten. Damit darf das Unternehmen als zugelassener Krypto-Dienstleister (CASP) in allen 27 EU-Mitgliedstaaten operieren, mit Sitz in Malta. Für europäische Bitcoin-Halter ist das kein kleiner Schritt: Es öffnet die Tür zu regulierten Krediten gegen Bitcoin, ohne verkaufen zu müssen.

Am 29. Juni wechseln alle bestehenden Strike-Konten in Europa zu Strike Europe Limited mit Sitz in Malta. Guthaben, Transaktionshistorie und Kontofunktionen bleiben dabei unverändert.

Was ist MiCA und warum ist das wichtig?

MiCA steht für Markets in Crypto-Assets Regulation, die europäische Verordnung, die ab dem 1. Juli 2026 vollständig in Kraft ist. Wer eine MiCA-Lizenz in einem EU-Land besitzt, darf damit in allen 27 Mitgliedstaaten tätig sein, ohne für jedes Land eine separate Genehmigung einzuholen. Das sogenannte Passporting-Prinzip funktioniert hier genauso wie bei einer deutschen Bankzulassung, die Zugang zum gesamten europäischen Binnenmarkt gewährt.

Bisher operierte Strike in Europa über eine registrierte polnische Gesellschaft. Mit dem Wechsel zu Strike Europe unter MiCA unterliegt der Dienst nun vollständig harmonisiertem europäischen Aufsichtsrecht. Kunden erhalten damit denselben Verbraucherschutz wie bei anderen regulierten Finanzdienstleistern.

Bitcoin als Sicherheit: Wie funktioniert das bei Strike?

Strike bietet zwei Kreditprodukte an: ein Festdarlehen mit einer Laufzeit von 12 Monaten sowie eine revolvierende Kreditlinie (Line of Credit), die man nach Bedarf abrufen und zurückzahlen kann.

Das Prinzip ist unkompliziert. Man hinterlegt Bitcoin als Sicherheit und erhält dafür Cash. Nach Rückzahlung bekommt man seine Bitcoin zurück. Ein Verkauf ist nicht erforderlich, es gibt keine Bonitätsprüfung und keine Gebühren für Abschluss, vorzeitige Rückzahlung oder Liquidation. Die Zinssätze beginnen ab 7,49% APR für größere Kredite, und Strike hat die Konditionen zuletzt deutlich gesenkt.

Das Sicherungsgut verbleibt bei Strike oder einem seiner Kapitalpartner, ohne weitere Rehypothecation. Die Bitcoin werden nicht an Dritte verliehen.

Ein wichtiges Detail für europäische Nutzer: Strike hat Bitcoin-backed Darlehen bereits Mitte 2025 in ausgewählten EU-Ländern eingeführt. Die MiCA-Lizenz macht das nun strukturell und reguliert für die gesamte EU möglich.

Kein Verkauf, kein Steuerereignis

Für viele langfristige Bitcoin-Halter ist das das zentrale Argument. Wer verkauft, realisiert einen steuerpflichtigen Gewinn. Wer leiht, tut das in der Regel nicht. Man behält den Stack, die potenzielle Kurssteigerung bleibt erhalten, und man ist trotzdem liquide für größere Ausgaben.

Ob die Finanzierung einer Immobilie, eine Unternehmensinvestition oder das Nutzen einer Marktgelegenheit: Man muss Bitcoin nicht erst in Euro umtauschen. Genau das ist die Logik, die auch immer mehr deutsche Bitcoin-Halter suchen.

Margin Calls und Liquidation: Augen auf beim Leihen

Kredite gegen Bitcoin haben ein strukturelles Risiko: Fällt der Kurs stark, steigt die Loan-to-Value-Ratio (LTV). Bei Strike erfolgt ein Margin Call, sobald die LTV 70% erreicht. Man hat dann 72 Stunden Zeit, nachzuschießen oder zurückzuzahlen. Erholt sich der Kurs von selbst, wird der Margin Call automatisch aufgehoben. Löst sich das Problem nicht oder steigt die LTV auf 85%, verkauft Strike nur so viel Sicherheitsgut, wie nötig ist, um die Quote wieder auf ein gesundes Niveau zu bringen.

Das ist ein transparenterer Mechanismus als bei vielen Mitbewerbern, aber das Risiko bleibt real. Ein niedriger LTV beim Kreditabschluss ist immer die klügere Wahl.

Was das für den europäischen Bitcoin-Markt bedeutet

Inzwischen verfügen 204 Anbieter über eine vollständige CASP-Zulassung unter MiCA, darunter große Namen wie Kraken, Coinbase und Binance. Strike ergänzt dieses Feld mit einem spezifisch auf Bitcoin ausgerichteten Kreditprodukt. Das ist relevant, weil sich die meisten zugelassenen Anbieter auf Handel und Verwahrung konzentrieren, nicht auf die Vergabe von Darlehen.

Strike hat zudem eine Kreditfazilität von 2,1 Milliarden Dollar über eine Kooperation mit Tether aufgebaut, was die Kapazität schafft, Kreditnachfrage in beliebiger Größenordnung zu bedienen. Das gibt dem Produkt eine solide finanzielle Grundlage.

Ob Strike Lending auch in Deutschland verfügbar ist, hängt von der länderspezifischen Ausrollung ab. Die Strike-App gibt Auskunft über den aktuellen Stand.

Die Kombination aus MiCA-Lizenz und einem funktionierenden Kreditprodukt macht Strike zu einem der interessantesten Anbieter für europäische Bitcoin-Halter, die Liquidität wollen, ohne zu verkaufen. Ob es der neue Standard für Bitcoin-backed Darlehen in Europa wird, hängt von der länderspezifischen Verfügbarkeit und dem Preisvergleich mit Alternativen wie Xapo und Ledn ab. Ein Anbieter, den man im Auge behalten sollte.

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